Zürcher Ratsmanuale 1676-1798

Die Zürcher Ratsmanuale beinhalten die Protokolle der Ratssitzungen der Obrigkeit des alten Stadtstaats Zürich bis 1798. Sie stellen die zentrale Serie zur Erforschung der Zürcher Geschichte in der Vormoderne dar. Die Texte werden in einem Projekt des Staatsarchivs Zürich mit automatischer Handschriftenerkennung aufbereitet.

Zum Inhalt

Politische Bündnisse, Ehekonflikte, Straftaten: Die Themen, die der Rat des alten Stadtstaats Zürich verhandelte, sind sehr vielfältig. Die Zürcher Ratsmanuale beinhalten die Protokolle der Ratssitzungen der Obrigkeit des alten Stadtstaats Zürich bis 1798. Sie stellen die zentrale Serie zur Erforschung der Zürcher Geschichte in der Vormoderne dar.

Die Ratsmanuale enthalten die Beschlüsse der Ratsversammlungen der staatlichen Entscheidungsträger von Zürich, der Zürcher Obrigkeit. Diese setzte sich aus dem Grossen und dem Kleinen Rat zusammen. Dabei war der Kleine Rat das zentrale Entscheidungsgremium und der Grosse Rat seine Erweiterung. Die beiden Bürgermeister und die Ratsherren des Kleinen Rats wurden durch die «Burger» (die Mitglieder des Grossen Rats) gewählt. Die restlichen Ratsherren waren Zunftmeister und Constaffelherren, die direkt durch die Zünfte und die Stubengesellschaft der Constaffel gestellt wurden. Frauen und Nichtbürger hatten keine Möglichkeit zur Mitsprache. Der Kleine Rat war in zwei Ratshälften mit je 24 Ratsherren und einem Bürgermeister unterteilt, die sich halbjährlich zum Johannestag im Juni (Johannes Baptista, deshalb «Baptistalrat») und im Dezember (Johannes der Evangelist nach Weihnachten, deshalb «Natalrat») im Amt ablösten. Die amtierende Ratshälfte erscheint in den Ratsmanualen mit der Bezeichnung «Neuer Rat». Es kam aber häufig vor, dass der Neue und der Alte Rat (amtierender Rat des vorangegangenen Halbjahres, auch «stillstehender Rat»), also «beide Räte» zusammen, tagten.

Für jede Ratshälfte wurde halbjährlich ein eigener Protokollband im Schmalformat geführt. Zudem unterschied man zwischen den Manualen des Stadtschreibers und jenen des Unterschreibers, was zu vier Protokollbänden pro Jahr führte.

In Bezug auf die Handschriften ergibt sich über die rund 300 Jahre, für die die Ratsmanuale überliefert sind, ein heterogenes Bild. Zusätzlich zu Stadt- und Unterschreibern finden sich sicher auch die Hände ihrer Stellvertreter und weiterer Schreiber der Stadtkanzlei. Auf diese Weise decken die für dieses Projekt trainierten Texterkennungsmodelle eine grosse Bandbreite von Handschriften innerhalb der vormodernen Zürcher Kanzlei ab. Einzelnen Schreibern wurden die Handschriften bisher nicht zugewiesen.

Am Ende jedes Bandes haben die Schreiber zur besseren Auffindbarkeit ein Register geführt.

Zum Projekt

Das Staatsarchiv des Kantons Zürich (StAZH) macht seit längerem seine zentralen Serien sowie wichtige Einzeldokumente zur Geschichte des Kantons (ab 1803) und des alten Stadtstaats als dessen Rechtsvorgänger (bis 1798) digital verfügbar. Die zentrale Serie zur Zürcher Geschichte in der Vormoderne stellen die im Zeitraum 1484-1798 (mit einer Lücke 1516-1545) überlieferten Ratsmanuale dar. Die Protokollbände des 18. Jahrhunderts wurden im Rahmen des Pilotprojekts Vormoderne Quellen (PVQ) in den Jahren 2019 bis 2022 mehrheitlich mit automatischer Handschriftenerkennung, zum Teil auch durch manuelle Transkription, zuhanden der Öffentlichkeit aufbereitet.

Pro Band werden im Durchschnitt ein bis zwei Seiten manuell als Trainingsmaterial für die Handschriftenmodelle transkribiert. In diesen werden auch Personen, Orte und Organisationen mit Tags ausgezeichnet. Die übrigen Seiten werden mit Handschriftenmodellen automatisch erkannt. Die Qualität der Aufbereitung der einzelnen Seiten kann folglich variieren. Aufgrund der erwähnten Heterogenität der Schriften weist die automatische Handschriftenerkennung in den zunächst aufbereiteten Bänden des 18. Jahrhunderts eine Fehlerrate von 5 bis 8 Prozent auf, was üblicherweise aber dennoch sowohl eine gute Durchsuchbarkeit als auch eine gute Lesbarkeit gewährleistet. In den anschliessend aufbereiteten Bänden vor 1700 ist die Fehlerrate sogar tiefer (3-5%). Um redundante Suchergebnisse zu verhindern, wurden die Register am Ende jedes Bandes nicht texterkannt (vgl. die Anzeige «kein Text gefunden»), stehen aber als Bilder zur Verfügung.

Projekt-Hintergrund

Mit der Aufbereitung der Ratsmanuale des 18. Jahrhunderts (1700-1798) werden (unterbrochen durch die Epoche der Helvetik) gleichzeitig die bereits online verfügbaren zentralen Serien der Kantonsratsprotokolle (Legislative) und der Regierungsratsbeschlüsse (Exekutive) ab 1803 rückverlängert.

Die Protokolle des 17. und anschliessend auch des 15./16. Jahrhunderts werden ab 2023 in derselben Weise aufbereitet und online publiziert. Die dabei verfolgte Strategie sieht eine etappenweise Publikation der Bände vor, beginnend bei den jüngsten vor 1700. Geplant sind Veröffentlichungen in Intervallen von ungefähr drei Monaten. Als weitere Entwicklungsschritte sind die Suche nach Sitzungen des Zürcher Rats und die automatische Auszeichnung von Personen, Orten und Organisationen sowie Datumsangaben im gesamten Textkorpus geplant.

Projektleitung: Rebekka Plüss, rebekka.pluess@ji.zh.ch
Projektmitarbeiter: Jonathan Hauller, jonathan.hauller@ji.zh.ch
Ehemalige Projektmitarbeiterinnen: Jeanne Pamer, Linda Kleiner